30
Apr
2007

FLIEGEN IST GANZ LEICHT

fluegel_vogels_hi

Früh am Morgen, gleich wenn alle aus dem Haus sind, beginnst du mit den Vorbereitungen. Du nimmst dir ein Kopfkissen. Es muss schon ein neues sein, sonst geht es nicht, weil die Federn schon so verklumpt sind. Dann suchst du Mamas Lieblingspullover, den dünnen mit den Fledermausärmeln und aus der Werkzeugkiste die große Tube mit dem Kleber. Nun kannst du dich ans Werk machen. Sieh zu, dass dich keiner vorzeitig erwischt und dir diesen Traum zerstört. Auf den Pullover musst du nun all die kleinen Federchen kleben, überlappend natürlich, damit sich der Wind auch darunter setzen kann.

Kurz nach dem Mittagessen probierst du das Federkleid an. Wenn es passt und keine Änderungen mehr nötig sind, rufst du die Feuerwehr und kletterst schon mal auf den hohen Kirschbaum in Nachbars Garten. Beeil dich, denn die Jungs mit ihren Helmen sind meist sehr schnell da.
Oben in der Baumspitze angekommen, wartest du, bis sie ihr Sprungtuch ausgebreitet haben und dann schlägst du wie wild mit den Flügeln und springst.
Ist das geil?

Das ganze musst du natürlich machen wenn du gerade mal acht oder zehn Jahre alt bist, sonst geben sie dir Medikamente oder sie sperren dich in eine Irrenanstalt.
Und dann ist der Traum vom Fliegen ein für alle mal ausgeträumt.


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27
Apr
2007

FREITAG NACHMITTAG IN DIESEM SOMMER

Ein Rasenmäher frisst sich seit Stunden lautstark durch die Reste des letzten Herbstes und wird nur von lautem Fluchen übertönt. Gute Frau, ein Rasenmäher kann keine Bäume roden. Leise frisst er nun etwas entferntere Halme und ich kann sogar meine Gedanken wieder hören.

Die Sonne brennt. Wir baden in Sonnenmilch, Schweiß und geilen Gedanken. Jagger und Campari tun ihr übriges und nur wenig hält uns davon ab, übereinander herzufallen. Alles kocht. Alles Blut sammelt sich dort, wo Leben entsteht. Hirnlos spüren wir in dem was war und in dem was kommen wird in diesem heißen Sommer, der kein Ende zu nehmen scheint - solange ich es will, solange du es willst.

Gegen sechs ist die Sonne ausgebrannt. Sie schleicht hinter die Buchen. Schamrot und riesig fällt sie auf die Häuser hinterm Kurpark. Mit ihrer Flucht macht sich Kühle breit und zurück bleibt ein schales Gefühl auf der Haut und der salzige Geschmack von Leidenschaft, und die Hoffnung auf morgen.

Ob es uns diesmal gelingen wird, unsere Körper ihrem Spaß zu überlassen, während wir uns zurückzuziehen, um Worte zu gebären, die uns endlich weiterbringen?

21
Apr
2007

SANS SOUCI

“Sanssouci haftet wie ein Renoir
Auf meiner Netzhaut
Die Flügelschläge des Frühlings
Greifen unter meine Arme
Erzählen mir vom Dasein
Des Hoffens und Liebens
Ab und zu sehe ich mich um
Und erwarte dich an irgendeiner Ecke
Stehend und auf mich wartend”

(Ferenc/Gedichte)

Sanssouci haftet wie ein Renoir
Auf seiner Netzhaut
Die Flügelschläge des Frühlings
Greifen unter seine Arme
Erzählen ihm vom Dasein
Des Hoffens und Liebens
Ab und zu sieht er sich um ...

Sanssouci. Es liegt etwas Träumerisches in ihren Augen. Wie lange war sie schon nicht mehr hier... wollte auch gar nicht mehr herkommen.
Erlösung und Wehmut halten sich die Waage, wenn sie zurückblickt.
Wartend steht sie am Gartenportal, wie so oft in all den Jahren. Pomona und Flora scheinen ihr zuzureden. Nun geh schon, geh! Worauf wartest du? Sie wagt es. Und sie ist froh, dass sie es gewagt hat.

Sie erinnert sich, wie es war, stellt sich vor, wie es wäre ...
Sie erliegt dem Zauber, sprudelt über, erzählt von damals, als sie noch Elisabeth Christine hieß und von der Runde ausgeschlossen war, die in der Kuppelrotunde des Schlosses tagte und dass Friedrich ihr dafür das Schloss Schönhausen schenkte, sie nach Pankow verbannte.
Sie erzählt von den mehr als zweihundert Jahren danach und dass sie nun Petra Christine heißt und schon längst nicht mehr im Schloss wohnt, nicht einmal in seiner Nähe und dass sie manchmal die Sehnsucht plagt.

Das Gesicht ihm zugewandt geht sie vor ihm, rückwärts. Sie beobachtet ihn, verliert sich in seinen Augen. Er schickt seinen Blick voraus, suchend, als wolle er ihr den Weg ebnen.

Sanssouci haftet wie ein Renoir
auf seiner Netzhaut ...
lichtdurchflutet, heiter, sinnlich.
Ab und zu sieht er sich um ...


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