20
Apr
2007

ZORAN DRVENKAR LIEST

am 19. April 2007

Vielen Dank an Marianne Friedrich, Der Buchladen, welche im Flyer als Veranstalter aufgeführt aber in Wahrheit hier viel, viel mehr war.

Es war nicht die erste Lesung, aber die erste Lesung,
bei der ich ganz genau wusste, weshalb ich dort bin.
Ich wollte die Gedichte, die sich durch mein Hirn hämmern,
aus seinem Munde hören.
Ich wollte endlich hören, wohin er die Betonung legt
und dabei in seiner Mimik lesen.

Er saß auf der Bühne des kleinen Saales. Nicht an einem Tisch mit Samtdecke und Kerzen. Nicht eingerahmt von Graslilien und Geranien oder ähnlichem Grünzeug.
Nicht hochgeschlossen in Anzug und Krawatte. Nein.

Er saß auf dem Boden, auf dem Boden am Rand der Bühne, baumelte mit den Beinen, schlug sie zum Schneidersitz, stützte sich rücklings auf und wenn er den Blick aufwärts richtete, schien es, als versuche er ein Loch in die Decke zu gucken, um am Himmel seine Zeilen wieder einzufangen. Sein spitzbübisch zum Pfeifen gespitzter Mund schien ihm dabei helfen zu müssen und seine lustigen Augen warfen Blicke, die den Ausgang versperrten.
Neben ihm am Boden sein Gebundenes, neben ihm lose Blätter seines Ungebundenen, neben ihm eine Wasserflasche, die es im Laufe der Lesung kaum schaffte an seinen Lippen zu hängen - da hing das Publikum.

Er teilte, er interagierte, er griff auf und gab weiter. Hier fand war eine Art Jam-Session statt.
Drvenkar = Gedichte und Geschichten gelesen und Leben erzählt meets Meyer & Meyer = Klarinette, Saxophon, Querflöte & Konzertgitarre. Worte wurden zu Noten und Noten zu Worten. Sichtbarer Spaß in allen beteiligten Gesichtern.

Ungekünstelt, ehrlich, ohne Pathos fängt Zoran Drvenkar in seinen Gedichten Stimmungen ein und gibt sie an den Zuhörer weiter, mal sprudelnd, mal in sich ruhend, mit dem Mut zum Verhaspler.
Eigentlich war es gar keine Lesung, es war eher ein Treffen von Freunden und Familie, auf dem Zoran liebenswert Mütter auf den Arm nahm, mit unliebsamen Mitschülern abrechnete und daran erinnerte, was Leben ist.

Am Ende gab es viel Applaus, gab es die üblichen Fragen und Antworten, die mich und alle anderen, die auch Tinte im Blut haben, zutiefst beruhigten.
Am Ende bemerkte ich, dass die Bühne einen Vorhang hat, Samt, königsblau, einer Fassade gleich ... . Er stand davor. Und mir fiel eines seiner Gedichte ein, welches er hier leider nicht gelesen hat:

hinter den wänden

ein klavier
in einem dunklen raum
hat die geborgenheit
einer geschlossenen hand

es verbirgt geheimnisse
wie wände räume verbergen
und gesichter nur fassaden sind
für menschen
die sich im bau befinden



................................................................................

17
Apr
2007

“WIR FÜHREN NICHTS FÜR MENSCHEN”

Franz
Verfasst am: 16 Apr 2007 23:33
im Forum der Blauen Fassade

Ich möchte eine neue Fassade kaufen, sage ich. Er sieht mich nur an mit seinem stupiden Gesichtausdruck, den kleinen Schweinsaugen, den tiefen Geheimratsecken, den leicht hängenden Wangen, dem Doppelkinn und seinen zusammengespitzten Lippen an. Habt ihr keine, frage ich vorsichtig nach. „Hm, wir haben Fassaden. Für was genau soll es denn sein?“ „Für meinen Körper.“ „Wie für ihren Körper?“ „Man hat mich durchschaut. Ein unangenehmer Zustand wenn man entlarvt wurde. Haben sie was Blaues?“ „Wir führen nichts für Menschen.“ Da dreht man sich und verlässt den Baumarkt mit seinen elektronischen Schiebetüren wieder und steht im gleißenden Licht der Sonne und überlegt wo man jetzt hingeht. Oder ob man einfach stehen bleibt und einen weiteren Tod stirbt.

Petra

Während sich die elektronische Schiebetür des Baumarktes hinter ihm schließt, hakt sie und öffnet sich erneut. Schritte stocken, er dreht sich um. Unbehagen steht ihm ins Gesicht geschrieben. Wenn er jetzt eine Fassade gehabt hätte, es hätte nicht einmal eine blaue sein müssen, er wäre mit jeder zufrieden gewesen.

So sah sie ihn - nachdenklich, traurig, wütend und nackt. Der Hunger nach Schönheit und Ruhe hatte ihn ausgemergelt, gezeichnet als williges Opfer für Fassadenverkäufer der übelsten Sorte. Das musste sie unterbinden.

Sie sprach ihn an: “Entschuldige bitte, du willst eine Fassade kaufen, eine blaue.” “Ja! Und?”, kam seine Antwort, die eine gewisse Resignation nicht vermissen ließ. “Hast du vielleicht eine für mich?”
Er musterte die kleine Frau mit den krausen Haaren. Sie ihn erinnerten an... Er dachte nicht weiter darüber nach, woran ihn diese Haare erinnerten. Ihre Haut war durchsichtig, fast wie Pergament und auch ihr langes Kleid war ziemlich ungewöhnlich. Ihre Stimme zog ihn sofort in ihren Bann.. Sonor, fast farblos erzählte sie von einem alten Haus am Rande der Stadt. Es gäbe dort ein nettes Lokal, das nur wenige kennen. Er solle doch mitkommen, sie wäre gerade auf dem Weg dorthin und suche noch einen Begleiter.
Bevor er einen weiteren Tod stirbt ... Was soll’s ...
Er trottete neben ihr her, die Seele im Schlepptau. Sie sprach die ganze Zeit über von Büchern, von Denkern und Dichtern von Poeten, von den ganz Großen und den kleinen Schreiberlingen, die eigentlich alle nur eines gesucht haben in ihrem Leben, ein Versteck.

Vor einem Haus, Jahrhundertwende achtzehn-neunzehn blieb sie stehen. Stuck und Verzierungen an den unteren Etagen, die oberen schienen nachträglich angebaut. Gerade und schnörkellos streckten sie sich unter ein luftiges Dach, durch das ein Baum ragte. Mit lautem Knarren kündigte die Tür von ihrer Ankunft.
Das Auge musste sich erst an das diffuse Licht gewöhnen. Rauchig war es und es roch nach Alkohol, “Ja, das gibt es hier auch, aber das soll dich nicht weiter erschrecken“, hörte er sie sagen, während sie ihn zwischen Stapeln von Büchern und ungebundenen Blättern an einen freien Platz führte, nahe einem der großen vierflügligen Fenstern. “Hier kann jeder herkommen und sich eine fassade bauen."

“Verrückt“, dachte er und sah zu, wie sich die fremde Frau nun vor ihm langsam auszog. Das weißes Kleid sorgfältig vor sich auf dem Boden, breitete sie ihr Haar darüber. Sofort kam ihm der Vergleich wieder in den Sinn ... Buchstaben, es waren Buchstaben, die sich zu einer Frisur auf ihrem Kopf türmten.
“Komm her” Sie bedeutete ihm, sich zu ihr zu setzen. Verwundert sah er ihr zu, wie sie aus diesen Buchstaben Worte formte, Sätze bildete und diese zu einer Geschichte zusammenstellte. Es drängte ihn, es ihr gleich zu tun und als ob sie sein Verlangen spürte, breitete sie sich selbst vor ihm aus, Pergament der feinsten Art. Fiebrig glitt seine Hand durch ihr Haar und zauberte Zeilen hervor, die er behutsam auf den nackten Leib legte. Dabei blieb ihm nicht verborgen, dass dieser Körper nicht unbeschrieben war, kaum eine Pore, die nicht schon mehrere Buchstaben geschluckt hätte. Aber das störte ihn nicht.

Es wurde Abend und er saß ungläubig vor seinem Werk. “Wer bist du”, fragte er leise, fast zärtlich.
“Ich bin deine Muse”, sie stand auf, streifte sich ihr mittlerweile dichtbeschriebenes Gewand über. Einer Fassade gleich hüllte es sie ein.

Sie gingen hinaus in die Dunkelheit, die auf einmal nichts beängstigendes mehr an sich hatte. Im Nacken spürte er den Blick einer Frau die ihnen am offenen Fenster stehend nachsah. “Und wer ist das?”
Ohne sich umzudrehen antwortete die Muse.
"Das ist Johannas Kind.”


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16
Apr
2007

UND DIE SONNE KÜSST MEINE ZEHEN

Ich zelebriere diesen späten Morgen nach einer Nachtschicht.
Ein Frühlingsmorgen, den man einfach feiern muss.
Ein reifer, ein satter Morgen, nicht wie diese normalen, quirligen, geschäftigen, jungen, aus denen erst noch etwas werden muß. Dieser Morgen ist fertig. Dieser Morgen ist perfekt.

Frühstück im Freien, das erste in diesem Jahr - ein Festmahl, wie schwere Seide fühlt sich das an, wie Brokat auf unruhigen Nächten... so etwas gibt es erst und ausschließlich ab 14 Uhr auf meinem Planeten.
Leichter, lauer Wind fährt ganz nebenbei durch mein ungekämmtes Haar, ein Gruß. So liebtest du mich am meisten, so mit all diesen Spuren der Nacht. Nur ich und ich und ich.
Die Sonne, die gerade noch zögernd um die Ecke schaute, steht nun schon mitten auf meiner Terrasse, so als wolle sie sich vergewissern, dass ich auch schon hier bin. Wäre ich es nicht, hätte sie mir unmissverständlich bedeutet, dass man innerhalb zweier Jahre auch hier ruhig einmal die Fenster putzen könnte. Aber sie sieht mich, sie küsst mich, sie versucht breit und golden, mir mit ihren glühenden Fingern die Augen zu schließen. Lachend wehre ich mich, hole meine Sonnenbrille und eines meiner neuen Bücher.

Ein Buch, wie ein Strudel, alles verschlingend, auf eine Weise, die ich nur mit meinem Gefühl beschreiben kann ‘Liebeskummer‘, nein eher ‘liebeskrank‘. Nahezu jedes Wort scheint aus meinem Herzen gerissen und die Wunden klaffen, weil diese wunderbaren Bilder von einem anderen gemalt wurden. Weil diese Zeilen, Zeilen wie Romane, von einer Tiefe sind, in der man tatsächlich ertrinken kann.
Ich lasse mich mitziehen, kreise genießend und neidvoll gleichermaßen und beschließe, dass dieses Buch für mich geschrieben wurde.
So steht es zumindest in der Widmung "Für P., die vergeßlich ist.". Das passt sogar und es versöhnt mich.

Am Ende dieses Strudels findet sich eine Tasse kalten Kaffees, warmer Orangensaft, ein trockenes Brötchen und zerlaufene Butter, in der inzwischen Ameisen baden und ein knurrender Magen.
Ich gehe ins Zimmer, teile der Welt meinen seligen Schmerz mit und gehe danach wieder in die Sonne. Alles heute unwichtige stehen und liegen lassend, lese noch mal und noch mal und noch mal und lasse mir in Ermangelung von Fischen von der Sonne die Zehen küssen.


Aber nun zu dir, Ference! Ist dir klar, was du mir da angetan hast?
Und ich danke dir sogar noch dafür!
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ich mache doch fernstudium ... immer noch .... pflegedienstleitung.. ..
abendGLUECK - 25. Mär, 11:47
na aber sicher lebt sie...
na aber sicher lebt sie noch, mußt dir mal den film...
Causerien - 25. Mär, 11:34
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