Lesung auf Usedom

1
Mai
2006

Lesung auf Usedom

Ich habe in Berlin im Stadtzentrum gearbeitet und da liegt es nahe,die Mittagspausen am Alex, unterm Fernsehturm oder am Neptunbrunnen zu verbringen.
Neptun thront über allem, umgeben von vier Damen, die den Rand des Brunnens zieren. Von ihnen wird boshafterweise gesagt, dass sie die einzigen Berlinerinnen seien, die den Rand halten.
Bemerkenswert, ich halte ihn nicht mal in der Mittagspause ...

MITTAGSPAUSE

Am Himmel
tanzt ein Wolkenschaf
kokett auf einem Bein.
Die Sonne lacht über Berlin,
sie lädt zum Bummeln ein.

Im Winterschlaf
Café und Brunnen,
die Bänke sind verschneit.
Selbst Neptun ist bei diesem Frost
zum Flirten nicht bereit.

Jetzt sitze ich
zu seinen Füßen,
wo sonst das Wasser stand.
Ich passe nicht zu seinen Damen,
ich halte nicht den Rand.

Wenn der Frühling endlich Hochsaison hat und die Eisheiligen die kalte Sophie hinter sich herziehen, dann ist es soweit! Es ist nicht mehr auszuhalten, es zieht mich ans Meer. Obwohl der Frühling in Berlin auch sehr schön ist mit seinen blühenden Kastanien, den ungezählten Lindenbäumen und den Spatzen, die wohl die Hälfte der Berliner Einwohnerschaft ausmachen ...

FRÜHLING IN BERLIN

...

Wie oft wünsche ich mir, so frei und ungebunden zu sein, wie diese Spatzen, von einem Ort zum anderen gelangen zu können, ohne die Strapazen der Bahnfahrten, aber auch diese waren schnell vergessen, wenn ich erst das Meer ahnen oder riechen konnte. Angekommen, zog es mich sofort an den Strand, der erste Abend gehörte mir allein und dem Sonnenuntergang ...

AM MEER

Es ist noch warm an diesem Abend,
in den Buchen wispert der Wind.
Leise summe ich meine Lieder,
ich fühle mich frei, wie ein Kind.

Das Meer liegt schlafend seit Stunden,
müde rauscht es im Traum.
Sterne flüstern mir Liebesgedichte,
es wird langsam kühl, doch ich spür es kaum.

Vom Himmel schaut lachend der Mond,
sieht er mich tanzen am Strand.
Ihm werde ich meine Schuhe schenken
ich laufe barfuß im Sand.

...

Nach Sonnenuntergang ist es hier ruhig, die letzten Strandläufer sind auf dem Heimweg, vereinzelt lockt noch ein kleines Feuer und schließlich ist man allein oder zu zweit allein ... und das Meer trägt seine Geschenke an Land ... Hühnergötter, Bernstein und Handschmeichler.

HANDSCHMEICHLER

Den schon fast schmerzenden Hunger unserer Leiber gestillt, verlieren wir uns in Betrachtung unserer Seelen, reiben uns in ungeschliffenen Gedanken, ausgeliefert unser Leidenschaft. Morgengrauen.

Morgengrauen Leiden schafft.

Zum Abschied legst du mir diesen Stein in die Hand - glatt, von ebenmäßiger Schönheit, keine scharfe Kanten ... nur ein paar Furchen und kleine Löcher, in Jahrmillionen vom Meer geschliffen. Wunderbar liegt er in meiner Hand, ein Handschmeichler.
Wunderbar.

Ich komme zurück, wenn ich so bin wie dieser Stein. Dann werde ich deiner Seele schmeicheln, sagst du - küßt mich flüchtig, wendest dich lachend ab und gehst ….

Ich weiß nicht, wie lange ich dir noch hinter hersah, längst nicht mehr mit bloßem Auge auszumachen.
Die Morgensonne steht tief, sehr tief, sie blendet mich.
Mich fröstelt.
Die Mailuft ist kühl, von Wehmut und trauriger Gewißheit durchdrungen.

Gedankenversunken bemerke ich erste Geschäftigkeit am Strand. Wasserratten und Bernsteinsucher begrüßen freundlich den jungen Tag und mich. Langsam erwacht auch das Meer. Gleichmäßig und träge rollen kleine Wellen an Land, um sich an meinen nackten Füßen zu brechen, die mich ziellos in den Tag tragen.

Ob ich dich dann noch will?
Ob ich dich so noch will?

Fester schließt sich meine Hand um den Stein, der deine Wärme trägt - immer fester, je weiter du dich entfernst.
Deine Wärme will ich nicht missen.


lylo hat
diese Geschichte gesprochen. Ihr könnt sie hier anhören.

...

NEBEL

Bleierne Schwere begleitet die Sonne, als sie nach sengendem Tagwerk ihren Thron verläßt und müde hinabsteigt ins Meer.
Selbst die sonst noch eifrig streitenden Möwen haben den Zwist des Tages für heute bereits begraben. Nur das leise Stöhnen des alten Gebälks ausgedienter Fischerkähne dringt herüber, kaum hörbar. Seit langem schon liegen sie scheinbar nutzlos am Strand, morsches Versteck für Seeräuber und heimliche Paare.

Farben, die an Caspar David Friedrich erinnern, überschwemmen den Himmel bevor sie verschluckt werden vom diffusen Licht der Abenddämmerung, begleitet vom geruhsamen Plätschern auslaufender Wellen.
Wunderbare, trügerische Stille.

Schon steigt die Nacht an Land, langsam, eingehüllt in weiße Schleier.
Dunkelheit und Nebelschwaden verschlingen den Rest des Tages, Grenzen verschwimmen, Land und Meer verschmelzen. Nur noch meine nackten Füße erspüren Stege, Sand, Wasser und Steine ...
Ein Fehltritt zwingt mich unmissverständlich und schmerzhaft zum Verweilen und ich setze mich auf den nicht beachteten Stein inmitten des wabernden Nebels, der immer dichter zu werden scheint.

Schmerzzeit wird Gedankenzeit wird Traumzeit.
Nichts lenkt ab im stillen Trubel dieser gespenstischen Hochzeit. Ich genieße die unfreiwillige Pause, den abklingenden Schmerz, ergebe mich meinen Gedanken und versinke in wunderbaren Träumen.

Nur die Mauer aus hohen Buchen am Steilhang gebietet allem Einhalt.

...

STURMNACHT

Grolle nur, bäume dich auf,
brülle!
Schlage deine gierigen Zähne
wütend ins morsche Holz verwitterter Buhnen
und jage deine heulenden Boten
landeinwärts!

Du kannst mich nicht ängstigen,
schleuderst du auch schaumgekrönte Krieger
reihenweise an Land
zum nächtlichen Beutezug auf kümmerliche Reste
eines betagten Sommers.

Im Schutz hoher Buchenwälder,
folge ich mit wohligem Schauer
dem düsteren Geschehen.
Selbst der Mond
wagt nur flüchtige Blicke
aus zerrissenen Wolkenbergen.

Tränen versunkener Wälder
zieren das Schlachtfeld
in der Morgensonne,
zahlreich künden sie
vom nächtlichen Spektakel
und von fernen Gezeiten.

...

BITTERSÜßE SEHNSUCHT

Umarmung
unter den hohen Buchen
am Steilhang
nahe dem schlafenden Meer,
dort,
wo Windröschen
alte Pfade säumen.

Küsse
bei den Fischerkähnen,
die, seit Jahren pensioniert,
traurig ächzend
am Strand
von hoher Seefahrt
nur noch träumen.

Nachts
ist es hier menschenleer,
nur der Wind
flüstert mit deiner Stimme,
wenn ich
neben meinem Schatten
liege.

Mondschein bewacht
unruhigen Schlummer.
Im kühlen Sand
beim alten Kahn
ist die Luft würzig
und es riecht nach Teer.

Ich vermisse dich
so sehr ....

...

WÄHREND ICH SCHLIEF

Auf meinem Gesicht
Strahlen der Ruhe,
du hast ihnen
Namen gegeben.

Perlen des Glücks
auf meiner Haut
hast du bewacht.

Hast leise,
flüsternd,
mir Liebe gestanden
und Deine Angst,
mich zu verlieren.

Heute Nacht.



VERFÜHRUNG

Entführe mich.
Berühre mich
behutsam,
zärlich lockend bloß.
ganz ungezwungen.

Liebestrunken,
spielend versunken
atemlos.

Lustvoll
begrüße ich dich
in meinem Schoß.



UNSCHULD

Ich habe meine Unschuld verloren.
Nicht - als Verlangen nach dir mich quälte.
Nicht - als an deinen Lippen ich hing.
Nicht - als ich lag in deinen Armen.
Nicht - als die Nacht vorüber ging.

Ich habe meine Unschuld verloren
im Beichtstuhl.

Als ich Verrat beging,
als ich es Sünde nannte,
zu lieben dich,
ohne Ring,
da habe ich meine Unschuld verloren.
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