30
Apr
2008

ES HAT SICH DOCH GELOHNT ...

Kurz nach sieben lässt mich die Sonne nicht mehr schlafen. Eigentlich lässt sie mich schon, aber ... Ich quäle mich aus dem Bett, quäle mich in die Küche, quäle mich ins Bad. Qualvoll. Unausgeschlafen. Übernächtigt. Nichts Neues. Während die Kaffeemaschine geräuschvoll das Gebräu bräut und der Toaster mich gemahnt, nach dem Toast zu sehen, komme ich unter der Dusche zu mir. Kaffeearoma vertreibt den letzten Zipfel der Nacht. Langsam finde ich an dem Morgen gefallen und beim Frühstück in Modezeitschriften blätternd sogar ein passendes Outfit für die Hochzeit meiner Freundin. Ich träume ...

Es klingelt. An der Haustür. An der Wohnungstür. Es ist tatsächlich für mich. Es ist Satie.
Genau der richtige für diesen Moment, obwohl ich eigentlich etwas anderes im Auge hatte.
Ausdrucksstark und doch beruhigend ist er. So beruhigend, dass mich die Knibbelei nicht besonders stört, seine Gefährtin auszupacken, die sich, in Folie verschweißt, sträubt, mir ihr Inneres zu zeigen. Ich hätte vom Frühstückstisch aufstehen und ihr mit brachialer Scherengewalt zu Leibe rücken können. Ich knibbele weiter. Satie kam nackt. Und das war gut so. So konnte er sofort mit seinem Konzert beginnen. Wunderbare 71 Minuten Klaviermusik.

Mit Patti ist das anders. Nicht, weil sie sich bedeckt hielt. Nein, oder vielleicht gerade deshalb. Blieb doch so der Geruch ihres bedruckten Kleides noch unverfälscht, frisch. Ich liebe diesen Duft. Ja für mich ist es Duft. Und ich gerate in Verzückung. Jedes mal. Kannst du das verstehen? Wenn Augen- und Nasensinn eine Liaison eingehen und sich in Genuss verwandeln. Hochgenuss, wenn dann auch der Hörsinn zu seinem Recht kommt. Kaum zu beschreiben. Hast du sie neulich gesehen? Im Fernsehen? Auf Arte? ‘Deine Worte, dein Leben mit meinem Blut nachgezeichnet’ ... Sagte das nicht Rimbaud? Egal, es spiegelt das Empfinden wieder, dass mich beschleicht beim Hören der Musik und Lyriks von Patti.

Holy, holy, holy ... Es hat sich also doch gelohnt, heute so früh aufzustehen!


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28
Apr
2008

SEKT UND ZITRONENEIS

“Ich kann mir mein Leben auf angenehmere Art versauen” - wütend legt sie den Hörer auf und schnappt sich die letzte Flasche Sekt aus der Kiste. Es reicht mal wieder. Warum setzt alle Welt Ehrgeiz daran, sie zu verkuppeln. Also, nicht für nebenbei mal etwas Nettes, Aufputschendes ... Nee, nee, so richtig und für immer und so. Ist das nun Neid auf nur durch Broterwerb eingeengte Freiheit oder Mitleid hinsichtlich so oft heraufbeschworener Einsamkeit eines späten Singlesdaseins? Oder Angst ... Ein nächste Gedanke gilt dem Latschen, der im Weg liegt. Er bekommt einen Tritt.

Laut fällt die Tür ins Schloss. Sie schaut in den Briefkasten, sortiert Werbeflut von echter Post. Dann schließt sie die Zweizimmerwohnung gleich unterm Dach auf, vor knapp einem Jahr noch Schauplatz ellenlanger Gespräche und nicht enden wollenden Gelächters. Endorphinlastig, alkoholgeschwängert, respektlos. Sie öffnet die Fenster, gießt die Pflanzen, auch die karg beblätterten Strünke, setzt sich auf den zu behütenden Balkon. Nestsitting. Der Single beging Fahnenflucht. Verräter!
Ja, es hätte ein schöner Tag werden können. Sie blinzelt in die Sonne, die sich anstrengt, ihr Gemüt zu besänftigt. Sekt mit Zitroneneis für die Seele, Consuelo fürs Herz und eine komfortable Sonnenliege für den winterkäsigen Körper. Während sie hingebungsvoll in Nußöl, schönen Worten und interessanten Details badet, verbeißt sich Clärchen in ihrem Genick und wird später für einen Sonnenbrand verantwortlich zeichnen. Sie dreht sich auf den Rücken, blickt den nächsten Stunden trotzig ins Gesicht. Alles wird flüssig, das Eis, das Hirn, der Körper. Es tropft Schweiß und süße Träume. Irgendwann geht der Sekt zur Neige und die Sonne weg und es stellt sich erwartungsgemäß der Brand ein. Sie verlässt den Szene.

Na siehst du, war doch mal wieder ein schönes Wochenende, sagt sie später der rotgesichtigen Dame im Spiegel, stellt vorsorglich einen Eimer mit Eiswürfelwasser neben das Bett und nimmt zwei Handtüchern zum Wechseln mit. Am folgenden Morgen wird ihr ein Kater Gesellschaft leisten. Davon will sie jetzt aber noch nichts wissen.

Das Telefon klingelt. Sie ignoriert es.


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25
Apr
2008

DIE PARTITUR DER NACHT

(Erste Besetzung)

Rot versteckt der Mond sich hinter Wolkenfetzen. Zwischen den Schornsteinen duckt sich die Nacht. Schlaf regiert. Es ist halb drei. Auf den langen Fluren folge ich der Ruhe, die aus den Schlüssellöchern zu kriechen scheint. Kleine Seufzer, leises Schnarchen, hin und wieder ein kichernder Traum. Vielleicht noch ein vergessener Fernseher. Auf Tastendruck ein gewaltiger Wasserfall. Sonst nichts. Nur der Gesang der Stille, der durch geöffnete Fenstern in die Dunkelheit flieht.

Frische kühle Luft drängt an mir vorbei. Schnell hat sie den Atem des vergangenen Tages aufgesogen, pfeift durch Türritzen, klappert sich durch Ventiltoren, bläht raschelnd Gardinen auf. Hinter mir Schritte, vorsichtig, unsicher. Flüsternde Gespräche begleiten uns zurück ins Zimmer. Sachtes Schmatzen eines Gutenachtkusses. Noch etwas Musik? Klavier oder Streicher? Sie entscheidet sich für den tropfenden Wasserhahn und das Ticken ihrer Uhren. Vertraute Geräusche. Die Tür knarrt beim Schließen. Eine andere öffnet sich, kaum hörbar.

Bremsenquietschen zerreißt das friedliche Bild. Die Zeitung bringt einen neuen Tag - schwarz auf weiß. Ich vermisse heute das gleichmäßige Fauchen der Autobahn, das Schreien der Martinshörner weniger. Sie kommen nicht vor in der Partitur dieser Nacht.

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Luna in flagranti - 30. Apr, 10:18
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Luna in flagranti - 29. Apr, 00:00
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ja, so ist es Bon, leider sind diese Nächte viel...
Luna in flagranti - 28. Apr, 23:25
hallo luna,
nächtliche altenheimromantik ... schön, wenn...
bonanzaMARGOT - 27. Apr, 16:13
Danke liebes wortmeer,...
Danke liebes wortmeer, schön dass ich dich inspirieren...
Luna in flagranti - 25. Apr, 19:05
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Luna in flagranti - 25. Apr, 19:03
Ein wunderschöner...
Ein wunderschöner Text, der auch mich in die Vergangenheit...
wortmeer - 22. Apr, 19:50
in 20 jahren
machte ich schon einige sitten in der pflege, speziell...
bonanzaMARGOT - 19. Apr, 19:43

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